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Best of 2021 Bestenlisten Kino

Die 20 besten Filme 2021

Die besten Filme des Jahres, herausgepickt aus insgesamt 195 (Stand: 28.12.2021) Neuveröffentlichungen, die ich dieses Jahr sehen durfte – meistens im Kino, ab und zu aber auch zuhause auf dem Sofa.

(Also dort, wo die meisten Filme, die in der unten stehenden Liste genannt werden, mittlerweile ebenfalls verfügbar sind – es sei denn, sie kommen erst noch «offiziell» in unsere Kinos.)

Wobei die aufgeführten Kinodaten natürlich nur eine Momentaufnahme sind. Ich übernehme keine Verantwortung darüber, wenn uns allfällige Shut- und Lockdowns einen Strich durch die Rechnung machen.

Trotzdem, an dieser Stelle noch ein obligater Reminder: Geht diese Filme – wenn möglich – auf der grossen Leinwand schauen! Man muss sich dann auch nicht jedes Mal, wenn am anderen Ende des dunklen Saals jemand hustet, umdrehen und vor Omikron Panik haben. Man gewöhnt sich irgendwann daran. (Ans Husten, nicht Omikron.)

Denn sonst gibt es diese Filme irgendwann entweder nur noch als überlange, achtteilige Miniserien… oder halt einfach gar nicht mehr.

(Und wer wissen möchte, wie die anderen 175 Filme abgeschnitten haben – und welches Meisterwerk die Ehre hat, den 195. Platz zu bekleiden, bekommt die ganze Liste auf Letterboxd.)
© National Geographic

20. «The Rescue» (dir. Elizabeth Chai Vasarhelyi & Jimmy Chin)

Dokfilm über eine Rettungsaktion, bei der versucht wurde, eine 13-köpfige Fussballmannschaft aus dem thailändischen Tham-Luang-Höhlenmassiv zu evakuieren – von den Machern des phänomenalen Extrem-Bergsteiger-Portraits «Free Solo».

Und ähnlich wie bei ihrem Vorgängerfilm, sorgt dieses Regie-Ehepaar auch mit ihrem neusten Werk wieder für schweissnasse Handflächen. Auf jeden Fall blind reingehen – ohne vorher Wikipedia zu konsultieren!

Ab 31. Dezember 2021 auf Disney+.

19. «Spencer» (dir. Pablo Larraín)

Die britische Königsfamilie als unfreiwillige Hauptfiguren in einem Horrorfilm – mit Princess Di als Mittelpunkt, isoliert im Goldenen Käfig.

Wer die Wohlfühlatmosphäre von «The Crown» zu schätzen weiss, macht um diesen wunderschön beklemmenden Film besser einen grossen Bogen. Kameraarbeit auf Gott-Level.

Ab 13. Januar 2022 im Kino.

18. «Who We Are: A Chronicle of Racism in America» (dir. Emily & Sarah Kunstler)

Dokumentarfilme, die den systematischen Rassismus in den USA beleuchten wollen, haben ihr Herz meistens am richtigen Fleck, verstricken sich aber gerne in Widersprüche oder machen Verbindungen wo keine sind («I am Not Your Negro», «13th»).

Nicht so «Who We Are». Einleuchtend und stringent argumentiert – und dank dem natürlichen Charme von Bürgerrechtsanwalt Jeffrey Robinson, dessen öffentlicher Vortrag diesem Film seinen Rahmen gibt, bekommt man als Zuschauer:in nie das Gefühl, dass einem hier gerade Hausaufgaben untergejubelt werden.

tba.
© Macall Polay/Netflix

17. «tick, tick…BOOM!» (dir. Lin-Manuel Miranda)

Einer der wenigen Lichtblicke in einem sehr durchzogenen Jahr für Musical-Filme.

«tick, tick…BOOM!» liefert, während «In the Heights», «Annette» oder «Dear Evan Hansen» an Ähnlichem gescheitert sind: eine magnetische Hauptfigur nimmt uns an die Hand, setzt sich mit dem kreativen Damoklesschwert, welches über dem Kopf jeder kreativen Person kreist, auseinander, und liefert obendrein ein paar catchy Tunes. Unwiderlegbar cheesy, aber wirksam.

Auf Netflix.

16. «Licorice Pizza» (dir. Paul Thomas Anderson)

Nach «Phantom Thread» schaltet Paul Thomas Anderson einen Gang zurück und präsentiert einen klassischen «Hangout-Film» à la «Dazed and Confused».

Die einen werden sagen: ziemlich random – während sich die anderen (also: ich!) von den zwei unglaublich sympathischen Figuren in der Mitte des Films, sowie dem (Wie könnte es bei PTA auch anders sein!) hervorragend kuratierten Soundtrack einlullen lassen.

Ab 20. Januar 2022 im Kino.

15. «Shiva Baby» (dir. Emma Seligman)

Ich mag mich noch gut erinnern, wie ich im «Joggeli» stand und dabei zuschauen musste, wie zum ersten Mal jemand für den FC Basel aufs Feld läuft, der zu diesem Zeitpunkt jünger war als ich. Dort wusste ich: Es wird wohl nichts aus meiner Fussballkarriere.

Mittlerweile kann ich auch meine Regiekarriere begraben. Und zwar nicht nur, weil ich an einer Hand abzählen kann, wie oft ich in meinem Leben eine Kamera in der Hand gehalten habe, sondern auch, weil jetzt die ersten unter 30 Jahre alten Regisseur:innen in meiner Jahresliste auftauchen.

Ein Film für alle, die gerne dabei zuschauen, wie sich jemand meisterhaft mit einer imaginären Schaufel immer wie tiefer in eine ebenso imaginäre Grube gräbt.

Auf MUBI.
© El Deseo

14. «Madres paralelas» (dir. Pedro Almodóvar)

Die Farbe Rot, das Melodrama, Penélope Cruz: «Madres paralelas» bietet nichts, was Almodóvar zuvor noch nie geboten hat. Aber ich würde ja auch nie im Leben The Coca-Cola Company anrufen und von ihnen verlangen, dass sie gefälligst ihr Cola-Rezept ändern… darum habe ich hier ebenfalls keinerlei Beschwerden.

(Wobei ich sehr gerne mal mit Pedro telefonieren würde. Falls jemand seine Nummer hat 👉 Hit me up!)

Zurzeit im Kino.

13. «Summer of Soul (…or, When the Revolution Could Not Be Televised)» (dir. Ahmir-Khalib Thompson)

Jeder kennt «Woodstock», kaum jemand wusste über das «Harlem Cultural Festival» Bescheid, welches im gleichen Sommer stattfand. Ausser natürlich diejenigen, die damals vor Ort waren und in den Genuss fantastischer Konzerte von u. a. Nina Simone, Mahalia Jackson oder Stevie Wonder kamen.

Gottseidank hat «Questlove» die Aufnahmen dieses Festivals, die jahrzehntelang in irgendwelchen Kellern vor sich hin gemodert haben, ausgegraben und sie zum besten Musikfilm des Jahres zusammengesetzt.

Hörtipp: Zu «Summer of Soul» hat mein SRF 3-Kollege DJ Pesa eine äusserst empfehlenswerte Radiosendung gemacht.

Auf Disney+.

12. «The Lost Daughter» (dir. Maggie Gyllenhaal)

Wer im Sommer gerne Bücher am Flughafen kauft, die man dann am Strand kaum aus der Hand legen kann, bekommt nun endlich auch ein bisschen Entertainment für den Winter.

Aber Vorsicht: Das hier ist some real-ass Grown-up-Entertainment. Eine Buchverfilmung (Vorlage: Elena Ferrante) über eine Professorin mittleren Alters, die eigentlich ungestört Ferien auf einer Insel in Griechenland machen möchte… dort dann aber in den Kontakt mit einer zweifelnden Mutter (Dakota Johnson) kommt, welche wiederum unangenehme Erinnerungen aus der eigenen Vergangenheit der Professorin triggert. Huch, solche Filme werden in dieser Art eigentlich gar nicht mehr gemacht – es sei denn, Netflix erbarmt sich unser.

Und weil hier ein:e Schauspieler:in auf dem Regiestuhl hockt (Maggie Gyllenhaal), bietet sie ihren Stars – so oft, wie es nur geht – Möglichkeiten zu brillieren. Olivia Colman einmal mehr unbeschreiblich gut.

Ab 31. Dezember 2021 auf Netflix.

11. «The Last Duel» (dir. Ridley Scott)

«The Last Duel», einer von zwei (!) Filmen, die der mittlerweile 84-jährige (!) Ridley Scott während (?!?!?) der Pandemie abgedreht hat, klingt auf Papier wenig vielversprechend: Zwei störrische Ritter duellieren sich, weil der Eine die Frau des Anderen vergewaltigt haben soll. Klingt nicht nach einer Geschichte auf die irgendjemand im Jahr 2021 gewartet hat.

Aber – ich sage es gerne noch einmal: der 84-jährige – Ridley Scott wäre ja nicht – again: der 84-jährige – Ridley Scott, wenn er diesen Film nicht unkonventionell strukturieren würde: Ganz «Rashomon»-like gibt’s die Story aus drei verschiedenen Blinkwinkeln. Zuerst aus der Perspektive von Matt Damon, dann Adam Driver, dann Jodie Comer.

Die definitive Wahrheit, jene von Comers Figur, kommt erst ganz am Schluss – und gibt relativ eindeutige Antworten auf die Frage(n), ob und warum im Jahr 2021 eine Mittelalter-Vergewaltigungsgeschichte relevant sein kann.

Auf Disney+.

10. «Drive My Car» (dir. Ryusuke Hamaguchi)

Wie Ridley Scott hat auch Hamaguchi dieses Jahr gleich zwei Filme veröffentlicht. «Drive My Car» ist der (noch) bessere davon: eine meditative Adaption einer Kurzgeschichte von Haruki Murakami mit kontemplativen und tief schürfenden Gedanken über Abschied und über die Schauspielerei. Disclaimer: der Film ist 178 Minuten lang – und trotzdem keine Minute zu lang.

Plus: der mit Abstand beste Einsatz eines Film-Vorspanns im Kinojahr 2021.

Ab 6. Januar 2022 im Kino.
© Netflix

9. «The Power of the Dog» (dir. Jane Campion)

Jane Campion, we missed you!

Die erst zweite Frau überhaupt, die ihrer Zeit bei den Oscars für den Regie-Preis nominiert wurde, meldet sich nach 12 Jahren Grosse-Leinwand-Abs(tin)enz – und einem kurzen Abstecher in die TV-Welt («Top of the Lake») – zurück. Mit einem absoluten Banger.

Ein Neo-Western mit einer fantastischen Besetzung – Benedict Cumberbatch endlich mal wieder nicht in «Bitte, bitte gebt mir einen Oscar»-Modus» («The Courier», «The Current War», «The Mauritanian»), sondern als Erste-Klasse-Asshole – und der einen oder anderen überraschenden Wendung.

Zwar verstehe ich noch immer nicht, wieso Netflix jedes Jahr diesen grossen Prestige-Objekten grünes Licht erteilt, die eigentlich nur in einem dunklen Raum, auf einer grossen Leinwand, mit dem Handy fest verschlossen in einer Tasche funktionieren («Roma», «Mank», you name it), welche dann aber 99% der Zusehenden nur unter nicht-optimalen Umständen zu sehen bekommen. Aber ich bin natürlich dankbar, dass das Scheckbuch bei Tu-Dum nach wie vor locker sitzt. (Und wir haben ja das ZFF, dank dem wir diese Filme trotzdem im Kino sehen dürfen. 🙏🏻)

Auf Netflix.

8. «Petite Maman» (dir. Céline Sciamma)

Der perfekte Nachfolger zu einem Jahrhundertfilm wie «Portrait de la jeune fille en feu». Ein kleiner, feiner, intimer Film, bei dem erst im letzten Moment ersichtlich wird, welches wundervolle Bild die einzelnen Puzzleteile zusammen ergeben werden. Herzallerliebst.

Lief im Herbst im Kino. VOD tba.

7. «Quo vadis, Aida» (dir. Jasmila Žbanić)

Der Bürgerkrieg, oder: von einem auf den anderen Tag werden deine Nachbar:innen zu deinen erbittertsten Feinden.

«Quo vadis, Aida» ist Aufarbeitung des Bosnienkriegs und des Massakers von Srebrenica, und trotzdem ein – ja, ich habe schon fast ein schlechtes Gewissen im Zusammenhang mit einem Film mit solchem Inhalt diese Worte zu brauchen – ein mitreissender und spannender Film.

Žbanić und ihre atemraubenden Kamerafahrten durch das Blauhelm-Lager jagen den Puls hoch – bis sie uns am Ende wieder auf den nüchternen Boden der Tatsachen zurückholt.

Wurde im April völlig zurecht für den Oscar zum «besten internationalen Film» nominiert, war Anfang Dezember dann der verdient grosse Abräumer an den «European Film Awards».

Auf diversen VOD-Plattformen erhältlich – u.a. Cinefile, Filmingo und myFilm.ch

6. «Flee» (dir. Jonas Poher Rasmussen)

In den 90er-Jahren hat sich Filmemacher Jonas Poher Rasmussen mit Amin angefreundet. Amin war damals ein queerer Junge, der soeben von Afghanistan über Russland nach Dänemark geflüchtet ist.

Lange wollte Amin nie wieder über dieses düstere Kapitel seines Lebens sprechen, bis er schliesslich doch noch jemandem seine Geschichte anvertrauen wollte.

Bildmaterial dieser Interviews verwendet Rasmussen keines, er belässt es beim Tonmaterial – stattdessen wird die ganze Geschichte unter der sicheren Hand von Kenneth Ladekjær mit passenden Bildern illustriert.

«Flee» ist ein Dokumentarfilm der unter die Haut geht. Nicht nur wegen seiner Machart, die von den emotionalen Gesprächen zwischen Amin und Jonas getragen wird, sondern natürlich auch, weil sich die Geschichte von Amin abseits der Kameras zurzeit wiederholt. Und wiederholt. Und wiederholt. Der beste Dokfilm des Jahres.

tba.
© Les films du losange

5. «Bergman Island» (dir. Mia Hansen-Løve)

Ein Regisseur:innen-Paar auf den Spuren von Ingmar Bergman. Beide stehen an verschiedenen Punkten ihrer Karrieren – und dann wird das neuste Drehbuch der Regisseurin, an welchem sie auf der titelgebenden Insel arbeitet, plötzlich zur Wirklichkeit. Realität und Fiktion fangen an miteinander und ineinander zu verschwimmen.

Und wer jetzt noch keinen Knoten im Gehirn hat: das Ganze basiert auf einem (offensichtlich) semi-autobiographischen Drehbuch, mit welchem Hansen-Løve allegedly Nadelstiche gegen ihren Ex-Partner Olivier Assayas setzt. Love me some Meta-Kino.

tba.

4. «Dune: Part One» (dir. Denis Villeneuve)

Grosse, epische Welten, die man am liebsten sofort nach dem Abspann ein weiteres Mal besuchen möchte, während man sich schon beim Verlassen des Kinos erste Lesezeichen auf der Dune-i-pedia setzt.

Blockbuster-Kino, wie man es eigentlich nicht besser machen kann. Dafür wurden grosse Leinwände erfunden.

Auf Sky Show.

3. «The Green Knight» (dir. David Lowery)

Einer unserer bestaussehendsten Schauspieler brilliert in einem der bestaussehendsten Filme der letzten Jahre. Maximal-ästhetisches Mittelalter-Kino, das weniger auf Handlung, dafür umso mehr auf Vibes setzt.

Habe den Film liebend gerne gleich drei Mal auf der grossen Leinwand gesehen – und habe noch heute grossen Spass daran, über bestimmte Aspekte dieser reichen Geschichte zu rätseln.

Auf diversen VOD-Plattformen erhältlich.

2. «C’mon C’mon» (dir. Mike Mills)

«Beginners» war Mike Mills› Film über seinen Vater, «20th Century Women» über seine Mutter – jetzt ist demzufolge der Nachwuchs dran.

«C’mon C’mon» ist das vielleicht beste Argument dafür, dass diese kleinen Menschen unsere Welt zwar durch einen anderen Blickwinkel wahrnehmen, aber trotzdem viele tiefsinnige Gedanken zu unserem Zusammenleben haben. Man muss ihnen einfach zuhören.

Da wird selbst der grösste Kindermuffel, der sich sofort nach einem anderen Zugabteil umsieht, sobald er quatschende Kids beim Einsteigen erblickt, schwach. Unglaublich feinfühlig und emotional. (Ja, dieser Film will make you cry.)

Ab 26. Januar 2022 in der französischen Schweiz im Kino (D-CH-Start tba.)
© Oslo Pictures

1. «The Worst Person in the World» (dir. Joachim Trier)

Vier Jahre im Leben von Julie. Eine junge Frau, die mal impulsiv das Studium wechselt (eigentlich wollte sie ja schon immer Fotografieren!!!) und sowieso nicht ganz verstehen kann, warum man im Alter von 30 Jahren schon den Rest seines Leben kennen und verplant haben muss.

Regisseur Joachim Trier, der zuletzt zwei eher weniger gute Filme gemacht hat, komplettiert mit dieser Geschichte seine «Oslo-Trilogie» (die anderen beiden Filme: «Reprise» und «Oslo, August 31st» sind ebenfalls äusserst empfehlenswert), und macht dies mit unglaublich scharfen Beobachtungen, die in Nebensätzen oder mit einzelnen Blicken mehr erzählen, als andere in einem ganzen Film oder Buch.

Ab 20. Januar 2022 im Kino.
Welche Titel haben’s knapp nicht in die Liste geschafft? Die Antwort gibt’s auf Letterboxd.

Und noch. mehr Listen gibt’s hier – die Besten Filme 2020 hier.

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