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Best of 2019 Bestenlisten Kino

Die 20 besten Filme 2019

105 Filme mit Veröffentlichungsjahr 2019 durfte ich dieses Jahr sehen.

Es folgt die Bilanz eines wirklich hervorragenden Kinojahres und die Auswahl der zwanzig besten Filme des Jahres.

Bei der Zusammenstellung meiner persönliche Liste habe ich mich dafür entschieden, mich ab sofort nicht mehr nach dem Deutschschweizer, sondern nach dem regulären, internationalen Kino-Veröffentlichungsdatum zu richten.

Das bedeutet, dass ich ein paar wenige Filme, die durchaus Potential für meine Liste hätten, noch nicht gesehen habe. Namentlich sind das: «1917», «A Hidden Life», «Uncut Gems» und «A Beautiful Day in the Neighborhood». Vielleicht gibt’s darum später dieses Jahr noch ein kleines Addendum zu dieser Liste.

Meine komplette Rangliste mit allen 105 Filmen gibt’s auf Letterboxd. Am gleichen Ort findet man auch Kurzreviews und Spontaneindrücke von allen Filmen, die ich mir sonst so ansehe. Man kann mir dort natürlich gerne «followen».
Marriage Story
© Wilson Webb/Netflix

20. «They Shall Not Grow Old» (dir. Peter Jackson)

Über den Zweiten Weltkrieg wissen wir dank unzähligen Stunden von langweiligem Geschichtsunterricht fast alles. Vom Ersten Weltkrieg hingegen… äh… Franz Ferdinand? Irgendwas mit Grabenkrieg?

Die Floskel «So etwas habe ich noch nie gesehen!» wird viel zu oft eingesetzt – hier stimmt sie jedoch. Die restaurierten 3D-Bilder aus dem 1. Weltkrieg sind phänomenal.

Schön, dass Peter Jackson sein Herr-der-Ringe-Geld auch noch für etwas sinnvolleres einsetzt als seine drei «Hobbit»-Filme.

19. «Immer und Ewig» (dir. Fanny Bräuning)

Emotionaler Dokfilm über ein Liebespaar, das durch einen Schicksalsschlag (Annette ist halsabwärts gelähmt) noch enger zusammengerückt ist.

Habe den Film an der Schweizer Premiere in Solothurn gesehen. Mein Besuch an den Solothurner Filmtagen hat sich alleine schon dank diesem Film mehr als gelohnt. Die nächste Ausgabe beginnt dann übrigens am 22. Januar 2020.

18. «Booksmart» (dir. Olivia Wilde)

Perfekter Coming-of-Age-Film von dem ich finde: Kann man sich auch sehr gut mal an einem verkaterten Sonntag anschauen!

Die Pool-Szene mit Perfume Genius gehört zu meinen Lieblingsszenen des Jahres.

17. «Marriage Story» (dir. Noah Baumbach)

Nicht Baumbachs Bester (das wäre nach wie vor «Frances Ha» – PS: Stay tuned für meine Dekadenliste!), aber eine weitere Bestätigung dafür, wieso er seit Jahren zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren gehört. Adam Driver der beste Schauspieler seiner Generation, ja?

16. «The Lighthouse» (dir. Robert Eggers)

Absolut absurdes und irgendwie sogar witziges (?) Kammerspiel von einem der vielversprechendsten «neuen» Regisseure.

Wer Eggers› Film «The VVitch» nicht kennt, sollte vielleicht zuerst dort anfangen – ist um einiges mehr Horror als «The Lighthouse» und glaubs immer noch auf Netflix.

Zhao Tao/Ash Is Purest White

15. «Her Smell» (dir. Alex Ross Perry)

Wie schon bei «Marriage Story»: Nicht Perrys bester Film (das wäre «Listen Up Philip»), aber dennoch mehr als sehenswürdig.

Vorwarnung: Es ist ein «tougher», unappetitlicher Film. Für einen 90er-Fetischisten wie mich, der seine Teenager-Blütezeit gerne mit von Japan importierten Oasis-CD-Singles verbracht hätte, ist «Her Smell» jedoch ein gefundenes Fressen. Elizabeth Moss mit der vielleicht besten schauspielerischen Leistung des Jahres. Plus: Der beste Musikfilm 2019?

14. «Sorry We Missed You» (dir. Ken Loach)

Wenn ich etwas nicht ausstehen kann, dann sind es Spielfilme, die mit erhobenem Zeigefinger das anprangern, was «wir» alles falsch machen – und dabei vergessen, dass sie kein Dokumentarfilm sind (siehe: «The Last Black Man in San Francisco»).

Jetzt ist es so, dass Ken Loach eigentlich nur noch solche Filme macht («I, Daniel Blake») – und trotzdem trifft dieser Film über einen Lieferwagenfahrer, die an seinem Geschäftsmodell zugrunde geht, voll ins Schwarze. Da bekommt man bei der nächsten Zalando-Bestellung garantiert ein schlechtes Gewissen.

13. «Ash Is Purest White» (dir. Jia Zhangke)

Einfach nur ein spitzenmässiges und äusserst unterhaltsames Mafia-Drama, set in China.

12. «Us» (dir. Jordan Peele)

Fucking «Black Mirror» tischt regelmässig kompletten Nonsens auf, der sofort auseinanderfällt, sobald man nur eine Sekunde lang genauer darüber nachdenkt – und alle findens super. Jordan Peele macht das Gleiche und darum soll der Film jetzt nicht so gut wie «Get Out» sein? Was für ein Käse!

«Us» bietet genauso viel Stoff wie Peeles Erstling und zeigt darüber hinaus, dass er in der Zwischenzeit als Filmemacher ein paar neue Tricks gelernt hat. Toll!

11. «Midsommar» (dir. Ari Aster)

Ari Aster mag nicht jedermanns/-fraus Sache sein, aber meins ist er definitiv. Die WTF-Kinoexperience des Jahres. (Sorry Judith, dass ich dich in Schweden (!) dazu gezwungen habe, mit mir diesen Film schauen zu gehen!)

The Irishman
© 2019 Netflix US

10. «The Irishman» (dir. Martin Scorsese)

Filme – Nein, jegliche Art von Kunstform bietet viel Interpretationsspielraum. Und Geschmäcker sind verschieden, klar. Dennoch tut es mir leid, euch an dieser Stelle mitteilen zu müssen, dass, wenn dir «The Irishman» zu lange war, du leider falsch liegst.

Scorseses grossartiger Meta-Kommentar zu seiner eigenen Karriere. Und ein Härtetest für alle mit zu kurzer Aufmerksamkeitsspanne.

9. «American Factory» (dir. Steven Bognar & Julia Reichert)

2019 war ein weiterer hervorragender Dok-Jahrgang – und weil uns das Meiste davon mittlerweile via Streaming erreicht, können wir das sogar zeitnah konsumieren und müssen nicht jahrelang auf irgendwelche komischen TV-Rips warten.

Ich bin zwar recht kritisch eingestellt gegenüber vielem, das uns Netflix via seinem fadem Einheitsbrei serviert (gerade was Serien anbelangt), aber auch ich bin natürlich dankbar darüber, dass ein nicht zu unterschätzender Teil der Netflix-Kohle in die gut ausgestattete Dokumentarfilm-Flotte investiert wird.

«American Factory» ist ein Portrait über eine US-Fabrik, die geschlossen wird, und dann ein paar Jahre später unter chinesischer Führung wieder eröffnet wird. Fazit: Äh. Sagen wir’s mal so… Ich hoffe, dass mein Arbeitgeber nicht demnächst auch von chinesischen Investoren aufgekauft wird.

8. «For Sama» (dir. Waad al-Kateab & Edward Watts)

Newsflash: Krieg suuuuckt. Wer trotzdem das Verlangen hat, im Tarnanzug Räuber und Poli spielen zu gehen, sollte sich stattdessen zuerst diesen Dokfilm hier ansehen.

Der Syrische Bürgerkrieg und die daraus entstandene Belagerung von Aleppo bekommen wir hierzulande ja besonders via Besserwisser-Facebook-Kommentarspalten mit. «For Sama» ist der garantiert bessere Einblick. Aber Vorsicht: Harter Tobak.

7. «Parasite» (dir. Bong Joon-ho)

Wer erinnert sich noch an die «mahnenden Zeigefinger», die ich weiter oben erwähnt habe? Also: «Okja», Bong Joon-hos letzter Film, war genau so einer – und dementsprechend schlecht.

Schon fast kurios, wie er jetzt innert wenigen Jahren wieder den Weg zurück auf die gute Seite gefunden hat… und hier sogar seinen bislang besten Film abliefert.

Freut mich ausserdem, dass «Parasite» auch beim Publikum hierzulande ankommt. Er läuft bei uns (Stand: Ende Dezember) noch immer – also schon seit vier Monaten – und die freundliche Frau an der Kinokasse, die vor kurzem durch eine (unangenehme?) Small Talk-Runde mit mir musste, fand ebenfalls, «dass sie so etwas schon lange nicht mehr gesehen habe».

The Farewell
© Ascot Elite Entertainment Group

6. «Once Upon a Time in Hollywood» (dir. Quentin Tarantino)

Lustiges Erlebnis: Zuerst habe ich Tarantinos Neusten an einem Pressescreening gesehen und dachte: «Ja doch, ganz okay!».

Dann das zweite Screening an einem regulären Samstagabend mit Begleitung(en): und weil ich dort dann wusste, was mich storymässig erwartet, konnte ich mich dementsprechend auf alles Andere konzentrieren. Und plötzlich hat es «Klick» gemacht. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass sich mehrmaliges Ansehen meistens lohnt.

5. «Dolor y Gloria» (dir. Pedro Almodóvar)

Wer Banderas nur als mittelmässigen Actionstar aus durchschnittlichen Hollywood-Streifen kennt, weiss jetzt, was er sich als nächstes anschauen muss.

PS: Wenn jemand weiss, woher ich das «Sabor»-Poster bekomme, das im Film eine zentrale Rolle spielt → Slide in my DMs please.

4. «Ad Astra» (dir. James Gray)

Anscheinend waren ja von dieser Vater/Sohn-Astronauten-Geschichte nicht alle so begeistert wie ich. Aber, c’mon: Wer im Sessel sitzt und sich auf Hoyte van Hoytemas überwältigende Kamera und Max Richters Soundtrack einlässt, der wird früher oder später einfach weichgeklopft, oder nicht? The Magic of Cinema! *sparkleemoji*

3. «The Farewell» (dir. Lulu Wang)

Mein diesjähriges ZFF-Highlight. Eine Geschichte darüber, dass Sterben zwar das Ende, aber nicht auch das Ende der Welt sein muss. Rührend, emotional, echt. Bleiben ganz am Ende beide Augen trocken? Congrats, you’re a robot!

Portrait de la jeune fille en feu
© Lilies Films

2. «Little Women» (dir. Greta Gerwig)

Das weltberühmte Buch, das ich selbstverständlich nicht gelesen habe (Aber hey, ich kenne die Anime-Serie!) erhält eine der vermutlich besten Adaptionen ever?

Wie gesagt: Ich kenne das Buch zwar nicht, bin mir aber über die Geschichte – und ihr Ende – durchaus bewusst. Und auf welch natürliche Weise es Greta Gerwig hier geschafft hat, dieser Geschichte ein zeitgemässes Update zu verleihen, ist schlicht und einfach grandios. Und die zwei Stunden, die zuvor kommen, sind auch fehlerlos. Der – Spoiler Alert – letzte neue Eintrag in meine Liste der besten Filme des Jahrzehnts (Coming Soon!).

CH-Kinostart ist dann am 30. Januar 2020. Bitte verpasst diesen Film nicht!

1. «Portrait de la jeune fille en feu» (dir. Céline Sciamma)

Und gleich nochmals einer, der auch auf meiner Liste der besten Filme des Jahrzehnts wieder auftauchen wird. Und zwar fast ganz oben.

Lasst euch nicht von «französischer Arthouse-Produktion» abschrecken, dieser Film ist «The Real Deal». Wer mich kennt, weiss, dass ich selten die Höchstnote für etwas verteile. Aber diese Liebesgeschichte über zwei Frauen, die sich im 18. Jahrhundert auf einer Insel vor der Bretagne treffen, hat sie mehr als verdient.

Der sinnlichste Film des Jahres, der beste Film des Jahres, das absolute Komplettpaket. Schauspieler, Kamera, Kostüme, Musik (!!!), Drehbuch: Hier stimmt einfach alles.

Aber Luca! Wo ist x? Und wo ist y? Na, eben: Auf Letterboxd gibt’s meine komplette Liste. Und wenn der Lieblingsfilm dort nicht dabei ist, dann habe ich ihn noch nicht gesehen. Für genau das gibt’s die Kommentarspalte.

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