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Best of 2018 Bestenlisten Musik

Die 20 besten Alben 2018

Lieblingsmusik, Part 1: Die 20 besten Alben des Jahres.

20. Spiritualized: And Nothing Hurt [Bella Union/Fat Possum]
19. IDLES: Joy as an Act of Resistance [Partisan]
18. Klaus Johann Grobe: Du bist so symmetrisch [Trouble in Mind]
17. A.A.L.: 2012—2017 [Other People]
16. free cake for every creature: The Bluest Star [Double Double Whammy]
15. Channel Tres: Channel Tres EP [GODMODE]
14. Khruangbin: Con Todo El Mundo [Night Time Stories]
13. Tocotronic: Die Unendlichkeit [Vertigo]
12. Papercuts: Parallel Universe Blues [Slumberland]
11. Dirty Projectors: Lamp Lit Prose [Domino]

10. Various Artists: Studio Barnhus Volym 1 [Studio Barnhus]

Mal abgesehen davon, dass ich mich jedes Jahr darum sorge, musikalisch den Faden zu verlieren, scheine ich mich auch seit einigen Jahren regelmässig darüber zu beschweren, im abgelaufenen Jahr zu wenig gute, neue elektronische Musik gehört zu haben. Darum folgt an dieser Stelle eine Lobeshymne für ein Label, welches nicht nur seit Jahren hervorragenden Geschmack beweist was seine Veröffentlichungen anbelangt, sondern sich auch darum sorgt, dass die elektronische Musik, die mit dem Label assoziiert wird, nicht nur nach Ableton-Klötzchen klingt, die an irgendeinem Laptop hin- und hergeschoben werden, sondern nach etwas «Echtem».

Die erste Compilation dieses Labels ist nicht nur eine exzellente Werkschau, sondern auch ein idealer Einstiegspunkt für alle Gitarren- und Hip-Hop-Puristen, welche der elektronischen Musik immer mal wieder eine gewisse Sterilität und Kälte vorwerfen.

Highlights: Bella Boo «boyboy» • Axel Boman & Miljon «Forgot About You» (Piano Version) Adrian Lux «Teenage Crime» (Axel Boman Dub) Sofia Kourtesis «WinWin San».

9. Wild Pink: Yolk in the Fur [Tiny Engines]

Wenn man eine Statistik über die lame-sten und zu oft verwendeten Radiofloskeln führen würde, die man in meiner Radiosendung «Sounds!» zu hören bekommt, dann wären «Musik für einsame Landstrassen» und «Musik zum Autofahren» garantiert auf den vorderen Rängen mit dabei. Und auch wenn die Chancen, dass ich nach meinem mittlerweile 30. vollendeten Lebensjahr doch noch den Führerschein machen werde von Tag zu Tag kleiner werden, ist dieses Emo-Rock-Album tatsächlich eine Scheibe, bei der ich mir zumindest theoretisch ganz gut vorstellen könnte, meinem linken Ellenbogen bei heruntergekurbeltem Fenster ein bisschen frische Luft zu gönnen.

Highlights: «Yolk in the Fur» «Jewels Drossed in the Runoff» «Lake Erie»

8. Floorbrothers: Ultimate Floor [Ikarus]

Das beste Schweizer Album des Jahres wurde zwar im Dezember 2018 veröffentlicht, klingt aber mehr nach Juli 1994. Wer in Zukunft alte Fotoalben durchblättern sollte und sich dabei wünscht, dass er in der vor-digitalen Zeit mehr analoge Fotos gemacht hätte – einfach diese Platte auflegen und die Erinnerungen im Kopfkino kommen ganz von alleine wieder zurück. Eine imperfekte – und gerade darum wunderschöne – Indie-Rock-Ode an ein leider vergangenes Musikzeitalter.

Highlights: «Do the Dance Dance»«Alaskan Wild» • «Ultimate Floor»

7. Beach House: 7 [Sub Pop]

Nach 30 Jahren habe ich es langsam aber sicher geschafft, mich von sämtlichen schawinski-esquen «Ich bi zersch gsi!!!»-Einwürfen in musikalischen Schwanzvergleichen zu lösen. Aber dass ich Beach House mal in der Boa Luzern (R.I.P.) mit 10 anderen Zuschauern gesehen habe, möchte ich an dieser Stelle doch noch erwähnen. Hätte ich damals gerechnet, dass ich diese Band 11 Jahre später mit tausenden von Menschen als Quasi-Headliner am «Primavera Sound» in Barcelona sehen werde – und ihr siebtes (!) Album als ihr wohl bestes betiteln würde? Wohl kaum!

Der Genrebegriff «Dream Pop» wird heutzutage ein bisschen gar inflationär verwendet. Hier stimmt er allerdings noch immer. Musik zum Träumen – egal ob mit 10 oder 40’000 anderen Menschen.

Highlights: «Pay No Mind» • «Dive» • «Drunk in LA» • «Girl of the Year».

6. Amen Dunes: Freedom [Sacred Bones]

Vor kurzem habe ich musikalisch Gleichgesinnte mit der Aussage überrascht, dass ich nicht mehr so gerne an Konzerte gehe. Und tatsächlich: Hat man mich vor 10 Jahren noch an jeder Hundsverlochete angetroffen, wurden meine Konzerttrips in den letzten drei Jahren immer wie seltener.1Real Talk: Netflix & Chill > Menschenansammlungen und überteuertes Bier.

Aber jedes Mal, wenn ich wieder an einem guten Konzert bin, frage ich mich: Wieso gehe ich eigentlich nicht öfters? Beispiel Amen Dunes: Von diesem Future Islands-meets-Interpol-Crossover war ich nicht nur auf Platte (siehe auch: die Songliste), sondern auch live begeistert. Damon McMahon, der eigentlich mehr nach Frontmann einer Hardcore-Punkband oder Anführer einer Hooligan-Gruppierung aussieht, steht wie ein Boxer auf der Bühne, verbringt die Hälfte der Show mit dem Rücken zum Publikum – und nuschelt seine kryptischen Texte ins Mikrophon. Das macht er allerdings so authentisch, dass man jedes Wort, das von seinen zitternden Lippen kommt, wie für bare Münze nimmt.

2019 gehe ich wieder an mehr Konzerte.

Highlights: «Miki Dora» • «Blue Rose» • «Believe» • «Intro»

5. Kacey Musgraves: Golden Hour [MCA Nashville]

Man kann sich nicht selber kitzeln. Und genauso wenig kann man sich überraschen, wenn man die Kuratierung des persönlichen Soundtracks dem Algorithmus des Streamingdienstes seiner Wahl überlässt. Und das sage ich nicht nur, weil ich für die «alten Medien» arbeite. Das sage ich, weil mir keine Spotify-Playlist der Welt dieses 100%-Nashville-Country-Album in meine Ohren gespült hätte.

Ich würde lügen, wenn ich an dieser Stelle behaupten würde, dass ich mit Lyrics wie «Texas is hot, I can be cold / Grandma cried when I pierced my nose» irgendwie connecten könnte. Und trotzdem: Wenn ich bei Serien und Filmen oft bemängle, dass sie über keinen «Sense of Place» verfügen, dann ist das hier die Antithese dazu. Fünf Sekunden Golden Hour reichen und schon stehe ich auf einer Avenue in Nashville2Ein Ort, der jetzt nicht gerade auf der oberen Liste jener Destinationen steht, die ich gerne noch abklappern würde. Ein grösseres Kompliment kann man einem Album eigentlich nicht machen. Und für die Indie-Puristen: «High Horse» wäre auch einfach ein guter Song von Phoenix.

Highlights: «Oh, What a World» • «Lonely Weekend» • «Slow Burn» • «High Horse» • «Space Cowboy»

4. The Sea and Cake: Any Day [Thrill Jockey]

Während ich bei anderen Bands und Künstlern die musikalische Abenteuerlust lobe, schätze ich bei dieser Band ihre Verlässlichkeit. Any Day ist das zehnte Album, das The Sea and Cake seit 1993 veröffentlicht haben. Wie die anderen neun Alben dieser Band beinhaltet auch dieses Album wieder exakt zehn Tracks, fünf auf der A-Seite, fünf auf der B-Seite. Auf einer Playlist mit älteren Songs würden die neuen wohl kaum herausstechen. Aber weil dieser eine Song, den The Sea and Cake damals, 1993, geschrieben haben, ein dermassen guter ist, werde ich wohl auch das zwanzigste Album dieser Band (2037?) noch ganz fest loben müssen. Sonntag-morgen-Musik.

Highlights: «Any Day» • «I Should Care» • «Cover the Mountain» • «Day Moon»

3. Hatchie: Sugar and Spice EP [Double Double Whammy]

Ich habe geschummelt. Eine EP? AUF EINER ALBEN-LISTE? LUCA, HOW COULD YOU? Ja, ich habe es tatsächlich getan: Ich stelle eine EP mit fünf Songs den ganzen anderen Alben auf dieser Liste gleich. Eine Zeit lang, während den Sommermonaten, habe ich mir sogar überlegt, ob es okay wäre, eine EP zum «Album des Jahres» zu küren. Und damit wären wir wieder beim Anfang dieser Liste angelangt: I really really care.[mfr]About unimportant things[/mfr]

Noch kurz zur Musik: Harriette Pilbeam, eine 25-Jährige Musikerin aus Brisbane, klingt wie die Wiedergeburt der Cocteau Twins. Was will man mehr?

Highlights: «Bad Guy» • «Sure» • «Sugar & Spice» • «Sleep»

2. DJ Koze: Knock Knock [Pampa]

Ich sag’s gerne nochmals: In meinen Ohren klingt die elektronische Musik dann am besten, wenn sie nach etwas Lebendigem tönt. Und kein anderer Produzent kann das so gut wie Herr Stefan Kozalla. Knock Knock ist eigentlich erst sein drittes Album und klingt trotzdem wie eine Best-of. Ein bisschen Techno, ein bisschen House für die Peaktime, dort ein paar Hip-Hop-Beats, hier ein Singer-Songwriter-Exkurs. DJ Koze ist Musik für die Beine, für den Kopf und fürs Herz. Einer der ganz Grossen.

Highlights: «Baby (How Much I LFO You)», «Music on my Teeth» (feat. José Gonzalez) • «Planet Hase» (feat. Mano Le Tough) • «Pick Up» • «Seeing Aliens»

1. Yo La Tengo: There’s a Riot Going On [Matador]

Hey, du hast bis Platz 1 heruntergescrollt! Gratulation! Was ich hier noch kurz erwähnen muss: Wenn ich solche Listen mache, dann ist das selbstverständlich keine objektive, Fokusgruppen-geprüfte Liste der relevantesten und vorwärts-denkenden Alben des Jahres3Dann müssten hier wohl die Alben von Rosalía (zu spät gehört, sorry) oder Khruangbin stehen., es ist jeweils eine simple Ansammlung meiner persönlichen Favoriten.

Und immer wieder, wenn ich mir Gedanken darüber mache, welches Album es verdient, ein paar Jahre später, wenn ich auf diese Liste(n) zurückschaue, repräsentativ für mein Musikjahr zu stehen, dann spielen die folgenden drei Kriterien die wichtigste Rolle: A) Ein Album, das ich oft gehört habe. B) Ein Album, das etwas zu sagen hat. C) Ein Album, das sich irgendwie gut in den Kontext des Musikjahrs und in den Kontext des bisherigen Schaffens der Band/des Künstlers einordnen lässt.

Und so lande ich dann früher oder später immer wieder bei meinen Lieblingsbands. Yo La Tengo ist so eine. Und im Gegensatz zu anderen «Lieblingsbands», bei denen ich mich über neue Alben nur noch freue, weil das bedeutet, dass man sie bald wieder auf Tour sehen wird, werde ich bei der Ankündigung eines neuen Yo La Tengo-Albums noch immer nervös. Weil Yo La Tengo eben auch nach 15 Alben noch immer Platten rausbringen, die ich nicht nur oft hören kann, sondern auch etwas zu sagen haben – und sich wunderbar in den Bandkontext einordnen lassen.

Yo La Tengo haben dieses Jahr im Fri-Son in Fribourg gespielt. Es war mein Lieblingskonzert des Jahres. Ich kenne das Repertoire von Yo La Tengo eigentlich ziemlich gut, aber bei 15 Alben kann es schon einmal passieren, dass ich einen Song nicht gleich auf Anhieb erkenne. Passiert mir das bei einem guten Song an einem Konzert, schreibe ich mir kurz einen Textfetzen raus und google anschliessend. Beim Konzert von Yo La Tengo ist mir das gleich drei Mal passiert. Drei Mal habe ich mir gedacht: «Wow, das muss irgendein Song von einem ihrer 90er-Jahre-Alben sein!» Drei Mal war es schlussendlich ein Song vom neuen Album. Eine Wahnsinnsband.

Highlights: «Shades of Blue» • «Dream Dream Away» • «Ashes» • «Here You Are» • «You Are Here».
Ursprünglich publiziert am 19. Dezember 2018 via Facebook.

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